Wenn Trauer krank macht


Trauerstress fördert Entzündungen
Wenn Trauer krank macht

Verlieren wir einen geliebten Menschen, gerät der Körper unter Stress und schüttet Entzündungsstoffe aus. Aber nicht bei jedem: Deutsche Forscher bemerkten, dass unsere Gene bestimmen, wie unser Körper den Schicksalsschlag verarbeitet.

Trauerstress belastet Körper

Nach dem Ableben des Partners oder der Partnerin erkranken die Überbliebenen häufig ebenfalls. Woran das liegt, wiesen Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover und des Cousins Center für Psychoneuroimmunologie in Los Angeles in einer Studie nach. Sie stellten fest, dass unser Körper unter Trauerstress gerät. Die psychische Belastung führt dazu, dass unser Körper entzündungsfördernde Stoffe freisetzt. Solange die Betroffenen den Schicksalsschlag nicht verarbeiten, hält der Stress an. Mit der Zeit steigern die erhöhten Entzündungsmarker im Blut das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

Schützendes Gen   

Die Forscher analysierten das Blut und die Gene von 64 Menschen. 36 von ihnen hatten während der letzten zwei Jahre ihren Lebenspartner verloren. Jeder zweite Verwitwete hatte zu hohe Entzündungswerte. Wieso nur jeder Zweite? Die Antwort darauf fanden die Forscher in den Auswertungen der Gentests. Verwitwete Menschen mit einer bestimmten Variante des Gens IL-6 hatten keine erhöhten Entzündungsmarker. Der Studienautor Christian Schultze-Frey erklärt gegenüber dem Informationsdienst Wissenschaft e.V.: „Die Genvariante im IL-6-Gen führt dazu, dass das Gen trotz Trauerstress nicht vermehrt abgelesen werden kann“. Und wird das Gen nicht stärker abgelesen, schüttet der Körper nicht vermehrt Entzündungsstoffe aus. Die Trauernden mit dieser Genvariante sind somit mit einem körpereigenen Entzündungsschutz ausgestattet.

Hilfe bieten

Bei Menschen ohne diese Genvariante sieht Schultze-Florey jedoch einen starken Handlungsbedarf. Um kein gesundheitliches Risiko einzugehen, müssen diese Menschen ihren Trauerstress möglichst schnell senken. Beim Verarbeiten des Schicksalsschlag können beispielsweise Selbsthilfegruppen, Seelsorger, Psychologen oder einfach die Familienmitglieder und Freunde helfen, indem sie für den Verwitweten da sind.

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